Neues aus den Pfarrgemeinderäten & dem Pfarrverbandsrat

Der Pfarrverbandsrat bezieht zusammen mit unseren Seelsorgern Stellung zum Missbrauchs-Gutachten.

 

[letztes Update des Beitrags: 27.07.2022]

Liebe Gemeinde,

Wir, Pfarrverbandsrat und Seelsorger im PV Solln, haben die Präsentation des
Gutachtens über die Fälle sexualisierter Gewalt in unserer Erzdiözese und die darauf
folgenden Reaktionen mit großem Entsetzen verfolgt. Wir sind zutiefst betroffen und
erschüttert über das Leid, welches so vielen Menschen durch Verantwortliche der
katholischen Kirche - unserer Kirche - zugefügt wurde. In der Kirche eines Gottes, der
da sein will, der trösten, lieben und Mut machen will, sind Seelen daran zerbrochen,
dass sie ihr vertraut haben. Das lässt uns fassungslos zurück.

Im Gremium haben wir uns seitdem immer wieder darüber ausgetauscht. Viele Fragen
stehen im Raum und bereiten uns Kopfzerbrechen: Warum und wie können wir weiter
machen? Wie gehen wir mit einem so erschütternden Ergebnis um? Kann man
überhaupt weiter machen? Für viele Menschen ist „katholisch“ wie eine allumfassende
Muttersprache. Kann man eine Sprache noch verwenden, die so viel Leid gebracht
hat?

Einfach weitermachen „wie immer“ ist sicher keine Option. Schweigen und Rückzug
sind es auch nicht. Wer soll denn dann für die sprechen, die - traumatisiert und
gebrochen - selbst nicht mehr die Kraft dazu haben? Wer soll jene auffangen, die Angst
haben, ihre spirituelle Heimat zu verlieren? Von vielen unserer Verantwortlichen fühlen
wir uns in dieser Aufgabe weitgehend im Stich gelassen. Aber wir sind überzeugt
davon, dass Kirche ein Ort ist, wo Gott da ist. Dass Er zuhört und mit uns hinschaut.
Wir sind nicht allein - und wollen einander nicht alleine lassen.

Wie der Leib viele Teile hat und doch eine Einheit ist, so ist es auch mit Christus. Wenn
es einem Teil schlecht geht, leiden alle Teile mit; wenn es einem Teil gut geht, freuen
sich alle anderen mit ihm. IHR seid der Leib Christi, und jede/r einzelne ist ein Teil von
ihm. (nach 1. Kor. 12, 12-27)

Als Pfarrverbandsrat und Seelsorger sehen wir es als unsere Aufgabe an,
Entscheidungsträger wachzurütteln und zu sensibilisieren für die Nöte der ihnen
anvertrauten Gläubigen. Gleichzeitig, auch uns selbst zu sensibilisieren im Umgang
miteinander: immer wieder zum genauen Hinschauen anzuregen, um Nöte zu sehen,
ins Gespräch zu kommen, Anlaufstelle zu sein und helfen zu können. Und als
glaubwürdige Christen und Christinnen unser Gemeindeleben zu gestalten, damit es
Halt gibt und vielleicht sogar neues Vertrauen entsteht. Wir bitten Gott um seine Kraft
und Begleitung! Und Sie, liebe Gemeindeglieder, um Ihre Ideen und Unterstützung.
Jederzeit.

Herzlich,

Im Namen des Pfarrverbandsrats: Matthias Schittler und Josiane Wies-Flaig

Im Namen der Seelsorger: Pfarrer Marek Baginski